WALHAUS
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Diese Geschichte begann mit einer Kinderzeichnung. Die Kinder des Kindergartens in Rheinfelden Minseln sollten sich nämlich Gedanken machen, welche Behausung das Passende für ihr Außengelände war. Am besten gefiel allen der Vorschlag, einen begehbareren Wal zu bauen.
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Ich erhielt den Auftrag für den Wal und bekam dazu auch schon eine fertige Skizze des Architekten mit Grundrissplan und den ungefähren Abmessungen. Perfekte Vorarbeit für dieses kleine Handmodell, das ich aus Plastilin im Maßstab 1:30 formte.
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Mitten im eisigen Winter 2009/2010 ging ich dann an den Bau des Stützkörpers aus Styropor. Ich war froh, als mir eine Freundin ihre Werkstatt anbot, die zwar für den Wal viel zu klein aber beheizt war. Der Wal passte mit Schwanzflosse gerade so hinein. Am Ende mussten wir ihn allerdings in vier Stücke zerlegen, damit er durch die Tür hinaus ging.
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Draußen wurde er wieder zusammengesetzt, und am Ostermontag, einem der ersten sonnigen Frühlingstage, brachte ich ihn per LKW zu seinem Bestimmungsort in den Schwarzwald,
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wo ein erstklassig vorbereitetes Fundament auf ihn wartete. Die Kindergarteneltern hatten den riesigen Sandkasten in eine Baugrube verwandelt und genau nach meinen Schablonen den Grundriss des Wals hineingezaubert. Sogar ein großes Loch für den Bodenablauf und eine Drainage unter dem Fundament waren vorhanden.
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Wir setzten also unseren Styroporwal darauf und klebten ihm die noch fehlende Schwanzflosse an. Dass der Wal hier so verpflastert aussieht, kommt, weil ich ihn in Folie einpacken musste, um den Styroporkern später leicht vom Beton trennen zu können. Schließlich sollte der Wal ja hohl werden, also würde ich das Styropor irgendwann wieder herausholen müssen. Die Schwanzflosse natürlich nicht.
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Und schon konnten wir losbetonieren. Die erste Schicht trugen wir noch von Hand auf und mischten etwas Klebemörtel unter, damit der Beton von den glatten Wandungen nicht abrutschte. Zum Anmachen nahmen wir aber auch hier schon die Putzmaschine. Die Rezeptur einer grobkörnigen Variante meines GRUMO Grundmörtels hatte ich vorher extra für gute Maschinengängigkeit optimiert, was uns unendlich viel Mischarbeit ersparte.
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Als die erste Schicht aufgetragen war, hüllten wir unser Werkstück für die Nacht in Folie ein, um den frischen Beton vor der Witterung zu schützen. Dabei machten wir etwas ganz Verrücktes, was sich aber als goldrichtig erwies. Unter der Folie packten wir den Wal mit 20 elektrischen Heizdecken so gründlich ein, dass er es nachts richtig schön warm hatte. Schließlich war erst Anfang April, und wir mussten mit Nachtfrost rechnen. Außerdem wollten wir, dass der Beton so schnell wie möglich an Festigkeit zunahm, damit wir Mitte der Woche schon darauf herumklettern konnten. Die Rechnung ging auf. Als der Wal am nächsten Morgen wieder enthüllt wurde, dampfte der Beton, war ca. 25 bis 30 °C warm und knochenhart geworden.
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Am zweiten Tag ging es in Spritztechnik weiter. In den frisch aufgespritzten Mörtel legten wir Glasfasergelege ein, und spritzten noch einmal Mörtel darüber.
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Am dritten Tag galt unsere besondere Aufmerksamkeit zunächst dem Schwanz. Damit er nicht abbricht, erhielt er zusätzlich zur Glasfaser noch eine Verstärkung aus eingelegten Stahlseilen. Die Stahlseile schmiegen sich nicht nur sehr gut der Kontur an, sondern haben, weil sie verzinkt sind, auch noch den Vorteil, dass sie nicht rosten, selbst wenn die Betonüberdeckung einmal zu gering sein sollte.
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Nach zwei weiteren Schichten Glasfaserbeton ging es an den Innenausbau. Hier breche ich gerade eine der Styroporscheiben heraus die den Innenraum ausfüllen.
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Und hier wird der freigelegte Innenraum mit einer Sitzbank für die Kinder ausgestattet. Auch die besteht natürlich in ihrem Inneren aus Styropor und darüber aus Glasfaserbeton. Einfacher geht es schließlich nicht.
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Von außen bekam unser Wal jetzt noch eine samtige Oberfläche aus Feinschichtmörtel als Abschluss. Jetzt sollte er erst einmal richtig durchhärten. Und während er unter seiner Plastikfolie in den Sommer hineinschlummerte wurden Farbentwürfe gemacht. Das Innere wollten die Kindergarteneltern mit Mosaik gestalten, und für außen hatte ich mir die Farbgebung eines Orca gewünscht.